Megavalanche 2022 – Erfahrungsbericht aus Alpe d'Huez
Der Megavalanche Alpe d’Huez (Frankreich) ist eines der berühmtesten und härtesten Enduro Rennen Europas. Seit 1995 geht es per Massenstart (!) vom Gletscher Pic Blanc – 3.300 Meter über dem Meeresspiegel – hinab nach Allemont.
Vom 27. Juni bis 3. Juli 2022 fand die 26. Auflage des Rennens statt. Auf einer Strecke von etwa 20 Kilometern gilt es dabei, 2.600 Tiefenmeter auf herausforderndstem Gelände zu absolvieren.
Unser Kollege Nico Becker, 27 Jahre jung, war schon immer begeisterter Sportler und Radfahrer - so hat er auch zu uns gefunden! Schon seit Jahren ist er auf MTB-Trails unterwegs, mit Freunden oder solo. Die Megavalance 2022 war für Ihn eine echte Herausforderung und ein ganz besonderes Erlebnis. Über den Ablauf des diesjährigen Rennens sowie seine persönlichen Erfahrungen berichtet er uns im Folgenden:
Ankunft & Vorbereitung – die Practice Days
Nach fast einem Jahr Vorbereitung und Vorfreude war es endlich so weit: Am Sonntag, 26.06, kam ich in Alpe d’Huez an, Teil einer Gruppe von einem Dutzend Fahrer aus Deutschland. Vor Ort konnte man in einem der vielen Hotels oder Apartments unterkommen. Alternativ konnte man aber auch Zelten. Für mein erstes Rennen habe ich mich dann doch für ein bequemes Apartment entschieden, auch wenn einige aus meiner Gruppe tatsächlich mit Ihrem Zelt unterwegs waren.
Ab Montag ging dann die richtige Vorbereitung los! Practice Day heißt dieser Teil des Rennens, und der Name war Programm: Durch die Anmeldung bei der Megavalanche bekommt jeder Teilnehmer einen Liftpass für das komplette Gebiet und kann somit alle Trails erkunden und sich für das große Rennen vorbereiten. Das ist auch unbedingt notwendig, um die herausfordernde Strecke dann fahren zu können.
Wir bekamen auch die Möglichkeit die gesamte Rennstrecke vom Gletscher Pic Blanc bis nach Allemont abzufahren. Das Gebiet in Alpe d`Huez ist dabei sehr abwechslungsreich – auch die 12. Etappe der Tour de France führte durch dieses Gebiet. Das Gebirge ist jedoch vor allem für Enduro Fahrer perfekt geeignet: Viele steinige und steile Passagen sowie viele Anlieger (Steilkurven). Und natürlich auch SCHNEE!
Für mich war der Schnee ohne Frage der aufregendste Teil der Strecke – ich hatte noch keine Erfahrung, wie man mit dem Mountainbike auf Schnee fährt. Es würde natürlich noch schwieriger werden, diese Herausforderung dann direkt von einem Gletscher steil hinab zu probieren!
Nervös war ich also, so viel war sicher. Doch vor allem hatte ich mit meiner Gruppe die Woche über großen Spaß, so viele der Trails wie möglich zu erkunden & zu fahren; natürlich auch die Wege, welche nicht auf der Rennstrecke lagen.
Während der gesamten Woche der Megavalanche gab es abends in der „Mega-Village“ meistens Livemusik; auch die Siegerehrungen wurden dort gefeiert. Dies war immer ein großartiges Erlebnis, da man dieses Event in einem Dorf mit verrückten Mountainbikern aus der ganzen Welt feiern konnte. Bei der Megavalanche gab es Fahrer aus über 40 Ländern.
Die erste Prüfung: Das Qualifikationsrennen
Am Freitag, dem 1. Juli, wurde es dann ernst: Die Qualifikationsrennen standen an. Diese fanden auf einer separaten und etwas kürzeren Strecke statt, wurde aber auch als Massenstart ausgeführt. Insgesamt gab es 12 Qualifikationsrennen mit jeweils bis zu über 100 Fahrern, die gleichzeitig starteten. Die Gruppen waren dabei aufgeteilt in Männer, Frauen und E-Biker. Die Quali-Strecke hatte sehr viele steinige und technische Passagen: Also sehr enge Kurven, verblockte Wege und ähnliche Herausforderungen. Auch hier gab es zwei Abschnitte mit Schnee.
Die Qualifikationsstrecke hatte ungefähr ein Drittel der Länge im Vergleich zum eigentlichen Rennen. Und selbst diese Strecke war schon sehr anstrengend! Die meisten Fahrer haben zwischen 18 und 23 Minuten gebraucht – die Elite hat es jedoch in halzbrecherischen 16 Minuten geschaftt! Unglücklicherweise gab es bereits hier schon einige Stürze, die leider bei Massenstarts und solchen technischen Trails unvermeidbar sind.
Für mich persönlich lief die Qualifikation sehr gut. Es war ja auch mein allererstes Rennen dieser Art – also hatte ich mir vor allem vorgenommen, Spaß zu haben und ein schönes Rennen zu fahren!
Der Massenstart machte mir direkt Schwierigkeiten – das kann man im Training ja auch schwer üben, hat man doch selten gleichzeitig mehr als hundert Fahrer zufällig versammelt. Dadurch habe ich gleich am Anfang einige Plätze verloren. Doch danach konnte ich ins Rennen finden und auch wieder Plätze gut machen. Wobei man natürlich sagen muss: Das Überholen auf einem Trail ist wirklich sehr tricky, vor allem, da die anderen Fahrer ja ebenfalls trainiert hatten und folglich mit ordentlicher Geschwindigkeit hinab geheizt sind.
Letztendlich konnte ich die Qualifikation auf Platz 37 abschließen, worüber ich natürlich sehr stolz war. Fast hätte ich es in das Hauptrennen am Sonntag mit den Profis geschafft. Aber als Neuling war ich natürlich in der Klassifizierung als „Challenger“, die ich mir damit verdient hatte, besser aufgehoben.
Das eigentliche Rennen – die MEGAVALANCHE
Damit die insgesamt mehr als 1200 Fahrer antreten können, wird die Megavalanche in drei „Gewichtsklassen“ aufgeteilt: Das Mega International, in dem die erfahrenen Fahrer sowie die waschechten Profis antreten, dann die Challenger und abschließend die Amateure. Hinzu kamen separate Rennen für E-Biker und Frauen.
Die Mega International, sozusagen das „Hauptrennen“, fand am Sonntag statt. Die Amateure starteten mit 30 Minuten Verzögerung hinter den Profis – und zuletzt starteten noch die Trailrunner. Der Rest, inklusive mir, startete samstags.
Der Samstagmorgen kam dann auch in Windeseile – es war RACE DAY!
Ich musste um 7 Uhr an der Gondel sein. Drei Mal umsteigen und einige Zeit später waren wir fast 300 Mountainbiker auf dem 3.300 Meter hohen Gletscher angekommen! Das Rennen für uns ging erst um 9:30 offiziel los – Dadurch, dass alle Rennfahrer korrekt aufgestellt werden müssen,verzögerte sich der Start dann leider noch etwas. Aber wir waren schon rechtzeitig angekommen, um den Start der E-Biker und danach der Start der Frauen beobachten zu können. Meine Aufregung stieg dabei langsam, aber stetig.
Als ich dann auf meinem Startplatz stand – ich hatte es in die dritte Startreihe geschafft – und um mich herum an die 300 andere Fahrer standen: Ich gebe ehrlich zu, da war ich nervös – „Oh je, was mache ich hier!“ Aber natürlich war es da schon zu spät ...
Die Nervosität und Anspannung verschwand jedoch, sobald die berühmte Megavalanche Melodie anfing und der typische Ruf ALARMAAAAA ertönte. Ab hier ging es dann in den Racemodus. Der Start war, wie auch im Qualifikationsrennen schon, sehr chaotisch. Alle Fahrer versuchten, irgendwie den schneeigen Abschnitt zu überwinden. Ich persönlich habe mich einfach darauf konzentriert, auf meinem Rad zu bleiben und voranzukommen – die Fahrer um mich herum habe ich dabei größtenteils ausgeblendet.
Nach den ersten paar Metern lief es dann besser und ich konnte im Schnee auch einige Plätze gut machen. Als ich den Schneeabschnitt geschafft hatte, hatte sich das Feld etwas verteilt und man konnte etwas kontrollierter fahren. In den „normalen“ Mountainbike Abschnitten ohne Schnee kam ich dann besser zurecht, wobei die vielen Gegenanstiege schon sehr anstrengend waren. Während des Rennens hatte ich immer wieder spaßige Zweikämpfe mit anderen Mountainbikern, wobei man sagen muss, dass alles immer sehr fair abgelaufen ist und jeder einfach nur das Rennen gut beenden wollte.
An der Stelle muss auch erwähnt werden, dass die Megavalanche nicht nur hart für den Fahrer ist, sondern auch für das Fahrrad. Natürlich ist ein 'Downhill-Marathon' wie die Megavalanche stark von Pannen geprägt, und viele konnten aus technischen Gründen nicht weiterfahren oder mussten absteigen, um Reparaturen durchzuführen. Natürlich führte ich platzsparendes Fahrrad-Miniwerkzeug und Reifenflickset mit, war aber sehr froh, dass ich es nicht benutzen musste.
Ungefähr bei der Hälfte der Strecke erreichte ich dann den wohl anstrengendsten Gegenanstieg des Rennens. An dieser Stelle standen einige Fans. Unter anderem auch Freunde von mir, die mir durch ihr Anfeuern persönlich sehr viel geholfen haben, um diesen Abschnitt zu bewältigen. Ab dort ging es dann langsam in den Wald und fast nur noch bergab. Dies war einer meiner Lieblingsabschnitte.
Nach einer Stunde und 36 Sekunden kam ich dann endlich in Allemont an und hatte das Ziel erreicht. Alle Fahrer waren völlig erschöpft, freuten sich aber riesig und feierten entsprechend ausgelassen! Ich hatte das Rennen am Ende als 31. von ca. 300 Fahrern abgeschlossen.
Rückblickend
Als Fazit muss ich sagen, dass die Woche in Alpe d´Huez wirklich unglaublich war – die Megavalanche ist echt ein einmaliges Erlebnis! So ein verrücktes Rennen und eine Woche lang mit Mountainbiker aus der ganzen Welt war echt der Wahnsinn!
Ich war ebenfalls begeistert, einige der Profis mal „live in action“ zu sehen: Kilian Bron, der dieses Jahr endlich seinen ersten Sieg auf der Mega hätte feiern können, wenn er nicht fünf Minuten vor Schluss einen Platten bekommen hätte! Weitere bekannte Namen wie Jack Reading, Ben Moore, Torben Drach, Sam Reynolds, sowie der nun doppelte Sieger der Megavalanche 2021 und 2022, der Schweizer Stefan Peter - und viele mehr.
Auf jeden Fall habe ich mir fest vorgenommen, in 2023 wieder anzutreten – vielleicht sieht man sich ja dort? Und: Wer noch Ausstattung & Bekleidung für den Trail braucht, wird in unserer Radsportwelt sicher fündig. Denn ein Rennen wie die Megavalanche kann man wirklich nur fahren, wenn die Ausrüstung passt.
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